Das geht doch jetzt mit KI!
„Das geht doch jetzt mit KI!“ Diesen Satz hörte ich letzte Woche irgendwo hinter mir. Und grundsätzlich ist er ja nicht einmal falsch. Mit KI geht inzwischen erstaunlich viel. Menschen laufen durch Wände, Autos fahren über den Mond und Models tragen Kleider, die vermutlich selbst ein Pariser Modeschöpfer nur nach einem sehr langen Abend entwerfen würde. Aber wir standen nicht auf dem Mond. Wir standen vor einer Spritzgießmaschine. Und die hatte ein Problem.
Eigentlich wollten wir nur einen kurzen Moment filmen
Genauer gesagt filmten wir weniger die Spritzgießmaschine als das darin verbaute, hochkomplexe Werkzeug zur Herstellung von Verschlusskappen für Spülmittelflaschen. Das Werkzeug fährt auf. Darin sieht man die frisch produzierten roten Verschlusskappen. Die Kappe besteht zu diesem Zeitpunkt noch aus zwei Teilen: der Verschraubung und dem eigentlichen Verschluss. Beide sind durch einen dünnen Kunststoffsteg miteinander verbunden. Bis hierhin: tausendmal gesehen. Technisch interessant, fotografisch und filmisch aber noch nicht der Moment, für den man morgens sein Stativ aus dem Auto trägt.
Das Spannende sollte erst danach passieren. Im Werkzeug befindet sich ein versteckter Mechanismus. Dieser Mechanismus sollte den Verschluss automatisch umklappen und auf die Verschraubung drücken. Erst anschließend wird die fertige Verschlusskappe aus dem Werkzeug ausgeworfen. Genau diesen Moment wollten wir filmen. Werkzeug öffnet sich. Verschluss klappt um. Fertige Kappe fällt heraus. Drei Sekunden Film. Drei Sekunden, für die man vorher Licht setzt, Kamerapositionen festlegt, Objektive auswählt und sich gemeinsam mit Maschinenbauern Gedanken darüber macht, von welcher Seite man den Mechanismus überhaupt sehen kann. Nur leider hatte der Hauptdarsteller an diesem Tag keine Lust.
Eine Stunde warten auf drei Sekunden Film
Es wurde gewartet. Es wurde eingestellt. Es wurde gefummelt. Es wurde programmiert. Es wurde noch einmal programmiert. Maschine auf. Maschine zu. Noch einmal. Aber der Klappmechanismus wollte seine Hauptrolle einfach nicht spielen.
Nach ungefähr einer Stunde fiel dann der Satz: „Das können Sie doch mit KI generieren.“
Können wir nicht. Zumindest nicht so, dass ich anschließend guten Gewissens behaupten könnte: So funktioniert diese Maschine.
Warum KI einen Menschen problemlos laufen lassen kann
Um zu verstehen, warum das so ist, muss man gar nicht tief in die Technik künstlicher Intelligenz einsteigen. Ein KI-Bildmodell hat während seiner Entwicklung unglaublich viele Bilder und Bildzusammenhänge kennengelernt. Menschen. Hunde. Katzen. Autos. Häuser. Straßen. Hände. Gesichter. Kleider. Schuhe. Menschen beim Laufen, Sitzen, Springen, Drehen und vermutlich auch beim Kopfstand auf einem Küchentisch.
Darum kann eine KI ziemlich gut abschätzen, wie ein Mensch aussieht, wenn er einen Arm hebt. Sie hat ähnliche Situationen in unzähligen Varianten kennengelernt. Man könnte vereinfacht sagen: Die KI weiß nicht wirklich, wie ein Mensch funktioniert. Aber sie hat sehr viele Beispiele davon gesehen, wie Menschen normalerweise aussehen. Und daraus kann sie etwas Neues zusammensetzen.
Bei unserem Spritzgießwerkzeug sieht die Sache vollkommen anders aus.
Drei Bilder sind noch kein Maschinenbaustudium
Von genau diesem Werkzeug existieren vielleicht drei Bilder. Unveröffentlicht. Von einem 48-fach-Spritzgießwerkzeug. Mit roten Verschlusskappen. Mit genau dieser Geometrie. Mit einem speziellen Umklappmechanismus, den außerhalb der beteiligten Konstrukteure vermutlich kaum jemand jemals gesehen hat.
Woher soll eine KI wissen, was jetzt passieren muss? Sie kann raten. Und darin ist KI ausgesprochen gut. Sie könnte vermutlich einen beeindruckend aussehenden Klappmechanismus erfinden. Vielleicht bewegt sich plötzlich ein Hebel. Vielleicht entsteht eine zusätzliche Führung. Vielleicht klappt der Deckel in einer eleganten Bewegung um.
Das Ergebnis könnte sogar fantastisch aussehen. Das Problem ist nur: Es wäre möglicherweise kompletter Unsinn.
KI erzeugt Plausibilität, keine technische Wahrheit
LLM in ConfyUI mit Model Krea2 + Quen3
Stukturierte Texteingabe:
**Industrial Documentary Photography — Ultra-Realistic Technical Imaging**
**Overall Composition & Aesthetic:**
This is a **highly detailed, photorealistic, documentary-style close-up** of an **open 48-cavity injection molding tool** inside a **real industrial injection molding machine**, captured during the **critical mechanical folding phase** of production. The image is rendered with **precision engineering aesthetics**, grounded in **technical truth**, devoid of fantasy, exaggeration, or artistic embellishment. No people, no text, no logos — only the raw, mechanical reality of manufacturing.
**Subject & Focus:**
– **Primary Subject:** An open, symmetrical, **48-cavity injection mold** housed within a heavy-duty industrial machine.
– **Mold State:** Both halves are **fully exposed and visible**, revealing internal mechanisms and cavities. No cover plates or safety guards obstruct the view.
– **Product Being Formed:** **48 identical red flip-top detergent bottle caps**, each consisting of:
– A **threaded screw cap base**
– A **flip-top lid**, still connected by a **thin, continuous plastic hinge strip**
– The **folding mechanism is actively attempting to fold the lid down onto the base** — a critical mechanical step before ejection.
> **Technical Truth Emphasized:**
> The **folding mechanism is integrated into the mold itself** — visible as **metal linkages, sliders, cams, and guided components** interacting precisely with the emerging caps. These parts are **not external robots or futuristic arms** — they are **real, machined, functional components** consistent with standard industrial tooling.
**Visual Details — Surface & Material:**
– **Metal Surfaces:** Polished **brushed steel** on all visible mold plates, guide rods, ejector elements, and structural frames. Reflective but not glossy — realistic **industrial finish** with subtle directional light patterns.
– **Plastic Parts:** The **red caps** are rendered with **photorealistic material properties** — matte, slightly glossy in high-contrast areas, with accurate plastic texture and subtle surface imperfections (micro-scratches, minor warpage from heat, minimal residue). No “melted” or “deformed” appearance.
– **Hinge Strip:** A **thin, continuous, translucent plastic hinge** connects the lid to the base — clearly visible, undamaged, correctly positioned, and mechanically engaged with the folding system.
**Structural & Spatial
KI erzeugt Plausibilität, keine technische Wahrheit
Das ist ein wichtiger Unterschied. Bei vielen Bildern reicht Plausibilität vollkommen aus. Wenn ich für eine Werbekampagne ein Model in einem futuristischen Hotel zeigen möchte, ist es ziemlich egal, ob dieses Hotel tatsächlich gebaut werden könnte.
Wenn aber ein Industriefilm zeigen soll, wie ein Werkzeug oder eine Maschine funktioniert, gelten andere Regeln. Dann muss der Hebel an der richtigen Stelle sitzen. Die Bewegung muss in der richtigen Richtung stattfinden. Das Werkzeug muss sich exakt so öffnen, wie es konstruiert wurde. Die Verschlusskappe darf sich nicht plötzlich verändern. Und ein Bauteil darf nicht einfach auftauchen, nur weil eine KI glaubt, dass dort eines ganz hübsch aussehen würde.
Industriefotografie und Industriefilm sind häufig keine Illustration. Sie sind Dokumentation.
Man könnte eine KI darauf trainieren
Theoretisch ließe sich natürlich auch dieses Problem mit künstlicher Intelligenz lösen. Aber dafür braucht man Material. Viele Ansichten des Werkzeugs. Detailaufnahmen. Bewegungsabläufe. Zeichnungen. CAD-Daten. Informationen darüber, welche Teile beweglich sind. Informationen darüber, welche Teile starr bleiben. Idealerweise Aufnahmen genau jenes Mechanismus, den wir eigentlich filmen wollten.
Und an diesem Punkt beginnt die Sache ein wenig im Kreis zu laufen. Denn um einer KI beizubringen, wie der Mechanismus aussieht, müsste man zunächst wissen und dokumentieren, wie der Mechanismus aussieht. Genau dafür standen wir ja vor der Maschine.
Natürlich könnte man heute mit CAD-Modellen, 3D-Animation, Simulation, Compositing und KI-Unterstützung vieles rekonstruieren. Aber das ist dann nicht: „Mach das mal eben mit KI.“ Das ist eine Produktion. Und zwar möglicherweise eine deutlich aufwendigere als die drei Sekunden Film, auf die wir gerade warteten.
Der Computer kennt keine Maschine,
die noch niemand gezeigt hat
Das wird bei der ganzen KI-Euphorie manchmal vergessen. Eine künstliche Intelligenz besitzt kein geheimes Weltwissen über jede Maschine, jedes Werkzeug und jede technische Konstruktion. Sie kann aus Bekanntem etwas Neues ableiten. Je mehr bekanntes Material vorhanden ist, desto überzeugender wird das Ergebnis.
Bei Menschen funktioniert das hervorragend, weil es Milliarden Bilder von Menschen gibt. Bei einem Spezialwerkzeug funktioniert es erheblich schlechter. Und bei einem Prototyp, einem neuen Produktionsverfahren oder einer Konstruktion, die bisher nur fünf Menschen gesehen haben, kann die KI schlicht nicht wissen, was richtig ist.
Sie kann lediglich etwas erfinden, das richtig aussehen könnte. Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Gerade deshalb wird Industriefotografie
durch KI interessanter
Vielleicht liegt darin sogar eine etwas überraschende Entwicklung. Je einfacher Bilder mit KI erzeugt werden können, desto wertvoller werden echte Bilder von Dingen, die bisher noch niemand gesehen hat. Eine neue Maschine. Ein neues Werkzeug. Ein Fertigungsverfahren. Ein Prototyp. Eine Produktionsanlage. Ein technisches Detail.
Ein KI-Modell benötigt irgendwann genau dieses Ausgangsmaterial, damit es überhaupt versteht, worüber wir reden. Jemand muss also weiterhin mit Kamera, Licht und Stativ vor diesen Maschinen stehen. Jemand muss hinschauen. Jemand muss verstehen, welcher Moment entscheidend ist. Und jemand muss ihn dokumentieren.
Vielleicht werden wir irgendwann sehr viele unserer Bilder mithilfe künstlicher Intelligenz weiterverarbeiten. Vielleicht verändern wir Perspektiven, ergänzen Hintergründe, bereinigen störende Elemente oder bauen aus realem Material völlig neue Präsentationsformen.
Aber zuerst braucht es Wahrheit.
Und manchmal steht man dafür eben eine Stunde vor einer Spritzgießmaschine und wartet darauf, dass ein kleiner roter Verschluss endlich das macht, was der Konstrukteur ihm beigebracht hat.
KI hin oder her.
„Es gibt eben Dinge, die muss man filmen, weil erst die Bewegung erklärt, was eine Maschine tatsächlich macht. Genau darum geht es auch in unserem Beitrag über Industrievideo und Industriefilm.“ lesen→
„Dass Industriefotografie selten unter perfekten Bedingungen entsteht, gehört ohnehin zum Alltag. Zwischen laufender Produktion, Zeitdruck und komplexer Technik muss das Bild trotzdem erklären, was das Produkt kann.“ lesen→
„Genau diese Authentizität ist einer der Gründe, warum wir Industrievideo einsetzen: Der Kunde soll nicht sehen, wie eine Maschine theoretisch funktionieren könnte, sondern wie sie tatsächlich funktioniert.“ lesen→



